Arbeiter besprechen einen Entwurf an einem Tisch

Welche Projekte wurden mit BIM gebaut und welche hätten besser damit gebaut werden sollen?

Das digitale Zeitalter schreitet auch in der Baubranche stetig voran. Immer häufiger werden Projekte mit der Arbeitsmethode Building Information Modeling umgesetzt. Das liegt daran, dass viele Unternehmen und auch die Regierung den Nutzen von BIM erkennen. Zum Teil mag es aber auch daran liegen, dass in der Vergangenheit viele Projekte schiefgelaufen sind, die nicht mit BIM gebaut wurden. Dadurch, dass Kosten in die Höhe geschossen sind oder Termine nicht eingehalten werden konnten, ist es an der Zeit etwas zu ändern. Denn Bauvorhaben werden immer komplexer. Nicht nur die Größe der Bauprojekte nimmt immer weiter zu, sondern damit auch die Anzahl der Parteien, die an einem Projekt beteiligt sind. Das kann zu Intransparenz, Planungsunsicherheit und Kostenunübersichtlichkeit führen.

So konnten in der Vergangenheit Projekte, wie der Berliner Flughafen oder die Hamburger Elbphilharmonie nicht wie zunächst geplant beendet werden. Doch es existieren auch große Projekte, bei denen die Planung und Ausführung ohne große Komplikationen durchgeführt werden konnte. Dabei wurde in den meisten Fällen BIM verwendet. Deshalb stellen wir hier zwei Projekte vor, die mit BIM geplant wurden und zwei die es nicht wurden. Anhand dieser Vergleiche möchten wir aufzeigen, welche Vorteile bei einer Planung mit BIM gegeben sind.

Projekte, die mit BIM erbaut wurden

Das Krankenhaus Bispebjerg

Während sich die Umsetzung von BIM in Deutschland noch in einem frühen Stadium befindet, setzen andere Länder bereits seit einiger Zeit auf die digitale Arbeitsmethode. Daher ist unser erstes Beispiel ein Krankenhauskomplex, der in Dänemark entsteht. Es ist aktuell eines der größten Bauprojekte in Kopenhagen.

Das Projekt ist eine Zusammenführung der Krankenhäuser in Frederiksberg und Bispebjerg zu einem riesigen Krankenhauskomplex. Das Krankenhaus befindet sich in Kopenhagen, im Stadtteil Bispebjerg. Zunächst sollte es im Jahr 2025 fertiggestellt werden. Doch durch den schnelleren Bau eines Teilgebäudes verkürzt sich der Zeitplan, sodass das Krankenhaus schon 2023 in Betrieb genommen werden kann. Um sich die Dimensionen des Komplexes etwas vorstellen zu können, folgen hier ein paar Daten: Die Bruttogeschossfläche liegt bei 217.000 m². Das entspricht ca. 30 Fußballfeldern. Davon werden 121.000 m², also etwas mehr als die Hälfte, neu gebaut. Insgesamt 96.000 m² werden von der alten Fläche genutzt und renoviert. Auf dem Gelände wird es Platz für 1.100 Autos auf Außenparkplätzen und in zwei überdachten mehrstöckigen Einheiten geben. Die Kosten des Projekts belaufen sich auf rund 530 Mio. €. Nach der Fertigstellung können jährlich 416.000 Patienten in dem Krankenhaus behandelt werden.

Herausforderungen

Eine besondere Herausforderung bei diesem Projekt ist die große Anzahl an beteiligten Parteien. Mediziner, Kliniker, Ingenieure, Projektmanager, Architekten und viele weitere müssen Hand in Hand arbeiten, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Damit ist viel Kommunikation verbunden, die durch das BIM-Modell erleichtert wird. Durch das zentrale Verwalten aller Daten sind alle Beteiligten auf dem gleich Informationsstand. Der daraus resultierende Vorteil dabei ist, dass bei der Planung von Beginn an alle medizinischen und wirtschaftlichen Faktoren berücksichtigt werden.

Auch die Integration der Neubauten in schon bestehenden Gebäudeeinheiten sind eine besondere Herausforderung. Zusätzlich treffen bei einer Krankenhausplanung verschiedene Funktionsbereiche, wie OP-Säle oder Notaufnahme aufeinander. BIM schafft mit der zentralen Speicherung aller Daten eine Transparenz, die eine effizientere Arbeit ermöglicht. Im Vergleich zu Bürogebäuden, ist die Gebäudestruktur bei Krankenhausprojekten besonders wichtig. Sie nehmen einen hohen Einfluss auf die betrieblichen Abläufe und damit auch auf die Schnelligkeit und Qualität der Krankenhausversorgung und die Patientensicherheit. Je intelligenter die Struktur angelegt ist, desto effizienter kann das Krankenhaus später betrieben werden. Bei einem solchen komplexen Bauvorhaben gestaltet BIM die Konzeption, Planung und Umsetzung erheblich effizienter, wodurch auch der Betrieb nachhaltiger und sicherer wird.

Das Bürogebäude der Volkswagen Financial Services AG

Als zweites Beispiel für die Verwendung von BIM dient das Bürogebäude der Volkswagen Financial Services. Das fünfgeschossige Gebäude in Braunschweig hat eine Bruttogeschossfläche von 8.000 m² mit einem Schulungsbereich. 2008 wurde mit dem Bau begonnen, bis 2014 der letzte Abschnitt des Projektes abgeschlossen wurde. Im Rahmen des “BIMiD – BIM Referenzobjekt in Deutschland” dient das Gebäude als Referenzprojekt und wurde über die gesamte Planungs- und Bauzeit wissenschaftlich begleitet. Mit dem Ziel die BIM-Methode am konkreten Objekt zu demonstrieren und ebenfalls Referenzprozesse zu entwickeln. Die Arbeitsmethode BIM konnte dabei für viele Zwecke verwendet werden. Zum einen für gestalterische Entscheidungen in Bezug auf die Architektur. Aber auch für Kollisionsprüfungen verschiedener Fachplanungen, Kostenplanungen oder Baustellenüberwachung. Bei dem Projekt wurde ebenfalls ein AS-Built Modell erstellt. Dadurch waren alle Informationen über Änderungen gebündelt in einem Modell.

Erkenntnisse durch die Arbeit mit BIM

Durch die Arbeitsmethode Building Information Modeling wurde die Kommunikation der einzelnen Beteiligten vorangetrieben. Anders als bei konventionellen Projekten war zu einem sehr frühen Zeitpunkt eine hohe Planungs- und Kostensicherheit gewährleistet. Dazu entstand eine große Transparenz zwischen dem Bauherrn und Planern und damit eine stärkere Kontrolle des Bauherrn über sein Projekt. Unter anderem lag es daran, dass die Dimensionen Kosten und Zeit in die Planung mit eingebunden werden konnten.

Projekte, die nicht mit BIM erbaut wurden

Das Bahnprojekt Stuttgart 21

Stuttgart 21 ist ein Verkehrs- und Städtebauprojekt, mit dem Ziel einer Neuordnung des Eisenbahnknotens Stuttgart. Dabei entstehen 11 neue, meist unterirdische Strecken und vier neue Personenverkehrsstationen, inklusive einem neuen Hauptbahnhof. Die geplante Fertigstellung war zunächst für Dezember 2019 angedacht mit einer Kosteneinschätzung von 2,5 Milliarden Euro. Doch nach vielen Verschiebungen und Kostensteigerungen ist das aktuelle Datum zur Fertigstellung des Hauptbahnhofes 2025 mit Kosten von 8,2 Milliarden Euro. Weitere Projektteile folgen später. Außenstehende halten sogar Kosten von bis zu 10 Milliarden Euro für möglich.

Im Jahr 1994 wurde das Projekt erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Eine Machbarkeitsstudie stufte das Projekt als durchführbar ein. Doch schon in der Planungsphase stiegen einige Befürworter aus. Nach einer neuen Prüfung durch die Bahn wurde das Gesamtprojekt so doch nicht als komplett realisierbar eingestuft. Es wurde nach Teillösungen gesucht. Nach vielen Verhandlungen konnten sich der Bund, Land, Stadt und die Bahn einigen, jedoch sind zu diesem Zeitpunkt die Kosten auf 4,1 Milliarden Euro gestiegen. 2009 fanden zudem die ersten Montagsdemonstrationen gegen das Bauvorhaben statt.

Trotz allem wird der Startknopf für den Bau im Februar 2010 gedrückt. Kurz darauf werden erste Planungsfehler entdeckt. Auch die Proteste der Bürger nehmen zu. Im Herbst eskalieren die Auseinandersetzungen. Die Polizei setzt schwere Mittel gegen die Demonstranten ein. Nach mehreren Versuchen einer Schlichtung wird eine neue Prüfung der Pläne veranlasst. Die Bauarbeiten werden während der Schlichtung auf Eis gelegt. Das Ergebnis der Prüfung: der aktuelle Plan bleibt mit ein paar Verbesserungen bestehen. 2012 treten weitere Probleme auf, die durch Änderungen der Pläne hervorgekommen sind. Die Inbetriebnahme wird verschoben.

Durch Bauarbeiten rund um den Stuttgarter Hauptbahnhof kommt es auch zu einigen Unfällen auf den Gleisen. Folglich wird das betroffene Gleis gesperrt, weshalb es zu zahlreichen Umleitungen und Zugausfällen kommt. Nach weiteren Planänderungen, Verschiebungen, Kostenerhöhungen und Diskussionen ist aktuell die Eröffnung des Hauptbahnhofes für 2025 geplant. Weitere Teilbereiche werden nach und nach eröffnet werden.

Was ist schiefgelaufen?

Schon in der Planung des Projektes ist so einiges schiefgelaufen. Die Studie, die bestätigte, dass eine unterirdische Planung leistungsfähiger sei als der bestehende Kopfbahnhof war nicht korrekt. Auch wurden in der Planung immer wieder Änderungen vorgenommen, anstatt das gesamte Projekt vollständig durchzuplanen, wie es bei einer Anwendung mit BIM der Fall ist. Verschiebungen der Eröffnungstermine und Kostenexplosionen sind das Ergebnis einer solchen Fehlplanung. Hinzu kamen die Demonstrationen, die gegen das Projekt schon vor dem eigentlichen Baubeginn protestieren. Ein riesengroßer Streit, der noch lange nicht beendet ist.

Bauarbeiter sitzt verzweifelt am Tisch

Der Flughafen Berlin-Brandenburg

Kurz nach der Wiedervereinigung entstand die Idee für einen zentralen Flughafen in Berlin, der die Flughäfen in Tegel und Schönefeld ersetzen soll. Der Plan war es einen Flughafen auf dem Gelände vom Schönefelder Flughafen zu bauen, der diesen teilweise umfasst. Die geplante Kapazität soll sich auf ca. 20 Millionen Passagiere im Jahr belaufen. Die Kosten für den Bau sind zunächst auf rund 1,7 Milliarden Euro angesetzt. Anfangs ist die Eröffnung im Herbst 2012 geplant. Doch wie wir wissen, konnte der Termin nie eingehalten werden.

Umsetzung

Schon vor dem Beginn des Baus gab es anfängliche Schwierigkeiten durch Lärmschutzklagen. Im Jahr 2006 beginnt trotz allem der Bau des Flughafens. Durch weitere Klagen und Auflagen hat sich die Situation im Laufe der Zeit immer weiter verschärft. Dazu kam, dass die Kosten von Anfang an nicht realistisch geplant wurden. Im Jahr 2012 gab es schwere Probleme beim Brandschutz, der Termin musste daraufhin abgesagt werden. Daraufhin folgten weitere Verschiebungen und Kostensteigerungen. Auch die Flughafenchefs wechselten im Laufe der Zeit mehrfach. Die vielen Verschiebungen der Eröffnung hatten ebenfalls zur Folge, dass die Kosten in die Höhe geschossen sind. Aktuell ist der Eröffnungstermin für den 31. Oktober 2020 geplant.

Was ist schiefgelaufen?

Kurz zusammengefasst war eine fehlerhafte Bauplanung, mangelnde Bauaufsicht und umfangreiche technische Mängel schuld an der Situation des Berliner Flughafens. Es wurde teilweise parallel geplant und gebaut. Ein Baustopp schon im Jahr 2012 und eine Bestandsaufnahme für eine neu orientierte Planung hätten dem BER sehr geholfen.
Das ganze Projekt war also schon durch die Planung zum Scheitern verurteilt. Bei so enorm großen Projekten empfiehlt es sich daher von Anfang an mit BIM zu planen. Die Arbeitsmethode steht für eine interagierende Planung, Ausführung und Bewirtschaftung. Dazu gehört auch, dass zunächst das gesamte Projekt bis zum Ende geplant wird und erst daraufhin mit dem Bau begonnen wird. So können Probleme schon bei der Planung aufgedeckt und geändert werden.

Fazit

Bei der Anwendung von BIM wird die Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden erheblich effizienter gestaltet. Durch die digitale Erfassung und Modellierung aller Bauwerksdaten kann ein virtuelles Gebäudemodell erstellt werden, dass allen Beteiligten für ein effektives Arbeiten nutzt. Es ist also ein zentrales Verwalten von Projektinformationen über den gesamten Lebenszyklus. BIM zielt also darauf ab einzelne, wiederkehrende Schritte im Planungs- und Bauablauf zu vereinfachen und nicht immer wieder neu zu erfinden. Das bedeutet es werden standardisierte, effizientere Prozesse entwickelt von denen alle Beteiligten profitieren. Gerade bei großen Projekten, wie dem Berliner Flughafen oder der Hamburger Elbphilharmonie ist ein strukturiertes Planen und Bauen essenziell. BIM hätte bei diesen Projekten den entscheidenden Unterschied gemacht. Die bisherigen Projekte, die mit BIM gebaut wurden zeigen, dass es funktioniert.

Damit BIM weiter genutzt werden kann, müssen alle Beteiligten die Thematik anwenden können. Ohne Weiterbildungen in dem Bereich geht es also nicht. Daher bieten wir Schulungen an, die dazu beitragen BIM zu verstehen und anzuwenden. So ist ein effizienteres Arbeiten, mit den Kosten im Überblick, gewährleistet, sodass keine Überraschungen bei einem Projekt entstehen. Hier erfahren Sie mehr über unsere virtuelle BIM Schulung! Zum Einstieg in die Arbeitsmethode empfehlen wir unser kostenloses Webinar.